Kirchen zum Klimawandel: eine Sache der Solidarität und der globalen Gerechtigkeit

Photo: Martyn Goss

Press Release No: 13/26DE
21 October 2013

Gem. Presseerklärung von COMECE und CEC

Im Lichte des fünften Sachstandsberichts der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaverschlechterung (IPCC) und im Vorfeld der Warschauer Konferenz zum Klimawandel (COP) wurde ein eintägiges Seminar unter dem Titel „Umweltschutz und Klimawandel als eine Herausforderung für die Politik – die Rolle der Ethik, der Lebensstile, der Solidarität und der globalen Gerechtigkeit“ abgehalten. Dieses „Dialog-Seminar“ wurde gemeinsam von der Kommission für Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Zusammenarbeit mit dem Büro der Europäischen Politikberater (BEPA) organisiert und bot den fachkundigen konfessionellen wie nicht-konfessionellen Teilnehmern ein offenes Forum.

In Anbetracht der im letzten IPCC Bericht angeführten wisschenschaftlichen Nachweise betonte Prof. Goose von der Katholischen Universität in Leuven die Unwiderlegbarkeit des menschlichen  Faktors für die Verursachung von Klimawandel. Diese Unbestreitbakeit legte die Grundlage für die Tagesdiskussion, bei der die Disparität zwischen dem Wissen/Anerkennen dieser Tatsache und dem entsprechenden Handeln mehrmals angesprochen wurde.

Da der Klimawandel von globaler Tragweite ist, wird dieses Thema auch von den religiösen  Entwicklungsorganisationen aufgegriffen, wie Janna Schönfeld von APRODEV (einer Assoziation der 17 Hauptorganisationen für Entwicklung und humanitäre Hilfe in Europa) bestätigte: „Die EU ist historisch betrachtet nach den USA der zweitgrößte Emittent von CO2. Gleichzeitig ist sie eine der reichsten Regionen der Welt. Die EU trifft daher zweifelsohne eine moralische Verantwortung zu handeln.“ Diese Meinung wurde auch von Bernd Nilles von CIDSE (einer internationalen Allianz von 16 katholischen Entwicklungsorganisationen aus Europa und Nordamerika) geteilt, der meinte, dass „fortgesetzter Abbau fossiler Brennstoffe, wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und fehlende Bereitschaft zur Finanzierung von Vermeidungs- und Anpassungsstrategien („mitigation“ und „adaptation“) verwundbare Gemeinschaften in Gefahr bringen.“ Mgr. Gomes, Weihbischof in der Erzdiözese Dhaka, Bangladesh, bekräftigte in seiner Videobotschaft nochmals, dass „es die Armen sind, die wegen der klimatischen Ungerechtigkeit und des Klimawandels leiden. Wir müssen dieses Leiden schmälern und nicht vermehren.” Während es hinreichend Ressourcen gebe, um jeden Menschen mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu versorgen, würden diese Leistungen nicht gleichmäßig verteilt- ein Problem, das durch geopolitische Grenzen verschärft werde. Die von den Industrieländern vorgeschlagenen Lösungen für die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, sind bei weitem nicht befriedigend. Prof. Dr. Hans Diefenbacher von der Universität Heidelberg hob die Lücke zwischen der Illusion von kurzfristigen ökonomischen Vorteilen und langfristigen nachhaltigen Maßnahmen hervor, die zur Heilung der kontinuierlichen Klimaverschlechterung auf faire und gerechte Art benötigt werden.

Martin Scheele, von der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission, betonte die Notwendigkeit, die Ressourceneffizienz zu steigern und das Augenmerk nicht nur auf die Produktionskette, sondern auch auf das Verbraucherverhalten zu richten (Verbraucherbewusstsein und die Problematik der „Wahl“). Die eigene Verantwortung wahrzunehmen, den Paradigmenwechsel zugunsten des „Genug-Habens“ anzunehmen und eine Änderung des Lebensstils vorzunehmen, seien die Schlüsselaufgaben zur Behandlung des menschlichen  Faktors. Die Rolle der Kirche für die Erreichung dieses Ziels wurde wiederholt hervorgehoben. Wenn die Kirche ihr Potenzial, als treibende Kraft auf die Änderung von Konsummustern einzuwirken, wahrnehmen wolle, so müsse sie zunächst vor ihrer eigenen Türe kehren, wobei es bereits Beispiele gebe, die diesbezügliche Initiativen erkennen lassen.

Schließlich wurde das Bedürfnis, mutige, hochstrebende und verbindliche Zielvorgaben bis 2050 und darüber hinaus zu definieren, von Dr. Runge-Metzger, Chefverhandler der EU in Sachen Klimawandel und Direktor für Klimastrategie und Internationales in der Generaldirektion für Klima bei der Europäischen Kommission, artikuliert, der hinzufügte, dass unabhängig davon, wie hoch die finanziellen Kosten für steigende Zielvorgaben für Handlungen im Klimabereich seien, es im Hinblick auf künftige Bürger- jene bereits geborenen wie auch noch die ungeborenen- ein kleiner Preis zu zahlen ist.

Zum Abschluss des Seminars drückten die Vertreter der Kirchen ihre Bereitschaft aus, einen wesentlichen Beitrag zur Minderung von Effekten des Klimawandels von der COP (Conference of Partners) im November in Warschau, in Peru (2014) und in Paris (2015) und darüber hinaus zu leisten.

Es sei allerdings von großer Bedeutung, dass neben der Betrachtung von fachlichen Lösungen auch der spirituelle Aspekt mitberücksichtigt wird. Sowohl P. Jose Ignacio Garcia SJ (JESC) als auch Rev. Henrik Grape von der Schwedischen Kirche hoben die geistliche Dimension, gute Verwalter der Schöpfung zu sein, hervor. P.Garcia sprach von der legitimen Furcht vor der Zukunft, doch gleichzeitig erinnerte er die Teilnehmer daran, dass Furcht zur Lähmung führen kann. Er bezog sich darauf, dass „Furcht durch Liebe, durch aufrichtige Liebe vertrieben werden kann“, wozu Rev. Grape hinzufügte, dass es „die Liebe zu unserem Planet, zur Schöpfung, in der wir leben und von der wir abhängen, ist, die uns zum Handeln zwingt.“

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Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ist eine Gemeinschaft von 120 orthodoxen, protestantischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen in allen Ländern des europäischen Kontinents sowie von 40 assoziierten Organisationen. Die KEK wurde 1959 gegründet und hat Büros in Genf, Brüssel und Straßburg.

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Mag. Elizabeta Kitanovic
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