Gastfreundschaft: Aufgerufen zu Liebe und Freundlichkeit

 

114 Mitgliedskirchen der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) sind in Novi Sad, Serbien zusammengekommen, um über die Zukunft Europas und die der KEK selbst zu sprechen.

Der erste vollständige Tag der KEK Vollversammlung in Novi Sad (die bis zum 5. Juni tagt) widmete sich der Gastfreundschaft, einem der drei Hauptthemen in diesen allgemeinen Reflexionen über die Zukunft Europas und der Arbeit der KEK und ihren Mitgliedskirchen.

Bei der Eröffnungspressekonferenz der Vollversammlung hatte Father Heikki Huttunen, der KEK Generalsekretär, die Bedeutung der Wahl von Novi Sad als Versammlungsort hervorgehoben. „Im geographischen Zentrum des Kontinents und doch außerhalb der Europäischen Union. Dies ist eine jener komplexen Situationen, die wir in der KEK lieben, da sie uns dazu zwingt, mehr als eine Version der Geschichte zu hören. So hören wir vielschichtige Sichtweisen aus verschiedenen Blickwinkeln.“

Zur Frage der Gastfreundschaft machte es die Gruppe von Sprechern am ersten Morgen möglich, diese gegensätzlichen Geschichten zu hören. Das Wort hatten Führungspersönlichkeiten der Kirchen aus Ländern der Emigration und Immigration. Seine Heiligkeit Mor Ignatius Ephräm II, Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche, die in Syrien und Irak verwurzelt ist, und Pfarrer Meletis Meletiadis von der Griechischen Evangelischen Kirche sprachen aus ihrer je eigenen Perspektive. Der Tag hatte mit einer Bibelarbeit von Pfarrer Luca Negro, dem Präsidenten der Föderation Evangelischer Kirchen in Italien, begonnen.

Luca Negro forderte die Vollversammlung aufgrund eines Bibelabschnittes aus 1. Mose heraus: „Auf welcher Seite wollen wir als Kirchen stehen? Auf der Seite der Xenophobie oder der Seite der Liebe für Fremde? Auf der Seite von Abraham und Sara, die Fremde in ihrem Zelt bei den Eichen von Mamre willkommen hießen oder auf der Seite der Einwohner von Sodom, die Lot und seine Familie ablehnten?“  Beim erneuten Lesen dieses Bibelabschnitts angesichts der berühmten Dreifaltigkeits-Ikone von Rubljow, die diese Episode darstellt, präsentierte er die Frage der Gastfreundschaft nicht nur als einen christlichen Wert unter vielen, sondern als die Tugend im Herzen des christlichen Glaubens. Im Bewusstsein, dass diese Initiative nur ein Tropfen „im Mittelmeer der Not der syrischen Migranten“ ist, erwähnte er in seiner Bibelarbeit die humanitären Korridore, die die Föderation Evangelischer Kirchen in Italien und die Gemeinschaft Sant’Egidio geschaffen haben, um Migranten sichere Fluchtwege anzubieten. 1.200 Menschen hatten sie somit ermöglicht, nach Italien einzureisen.

Auch Seine Heiligkeit Mor Ignatius Ephräm II erwähnte die göttliche Dimension der Gastfreundschaft und betonte, dass Jesus selbst das Leben eines Flüchtlings gelebt hatte: „Nach seiner Geburt musste seine Familie nach Ägypten fliehen“ und während seines Lebens „hatte der Menschensohn keinen Ort, um sein Haupt hinzulegen“.  Als Patriarch einer Kirche im Irak und in Syrien hob er die Pflicht der Christen und europäischen Kirchen hervor, sich bei der Aufnahme und der Nothilfe für Flüchtlinge zu engagieren. Er bat die Kirchen auch, die Flüchtlinge zu ermutigen, wieder in ihre Ursprungsländer zurückzukehren. „Die Auswanderung so vieler Familien aus unseren Ländern ist für mich wirklich traurig und es ist für alle schlecht: für die Christen, die Muslime und die Länder selbst.“

Obwohl sich die anwesenden Kirchen einig zu sein scheinen, dass den Flüchtlingen in Europa Gastfreundschaft gewährt werden soll, sind sie sich der Schwierigkeiten und Hindernisse völlig bewusst. „In Großbritannien begegnet man den Flüchtlingen oft mit Ablehnung, ja sogar mit mangelnder Würde“, so Fleur Houston von der Vereinigten Reformierten Kirche in Großbritannien in einer der Arbeitsgruppen zum Thema, „und ich muss hinzufügen, dass Christinnen und Christen gegen diese ablehnende Haltung nicht immun sind.“

„Trotz der für manche Kirchen nicht geringen Last sind immer noch viele sehr aktiv bei der Flüchtlingshilfe und beim Einrichten von sicheren Flüchtlingskorridoren für Migranten“, meinte Jovana Savic, EU-Koordinatorin beim World Church Service (Kirchlicher Weltdienst). Diese Tatsche wurde von Souraya Bechealany, der Generalsekretärin des Nationalen Kirchenrates im Nahen Osten mit Sitz im Libanon bestätigt: „60 Prozent unserer gegenwärtigen diakonischen Arbeit konzentriert sich auf die Bedürfnisse der syrischen Flüchtlinge, besonders auf die Schulbildung der Kinder. Kein anderes Land macht, was wir tun.“



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