Internationales Seminar von Vertretenden aus religiösen und politischen Kreisen diskutiert Beschneidungsverbot in Island

Gemeinsame Mitteilung CCEE-KEK
19. April 2018
St. Gallen (Schweiz)/Brüssel (Belgien)

Am 17. April fand in Reykjavík, Island, eine Konferenz zum Thema Beschneidung statt, um einen Gesetzesentwurf zu diskutieren, der dem isländischen Parlament Althing unterbreitet wurde, und der ein Verbot der Beschneidung von Knaben aus anderen als medizinischen Gründen anstrebt. Wenn der Vorschlag ins Gesetz aufgenommen wird, riskieren Eltern eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Jahren, wenn sie ihr Kind beschneiden lassen.

Auf der Konferenz, die vom Inter-Faith Forum und dem Institut für Religionsstudien der Universität von Island organisiert wurde, sprachen Referentinnen und Referenten von christlichen, jüdischen und muslimischen Organisationen sowie von medizinischen und weiteren säkularen Institutionen. Die Organisatoren begrüßten nicht nur die positive Teilnahme dieser verschiedenen Wirklichkeiten der zivilen und religiösen Gesellschaft; sie wussten auch die Teilnahme von einigen isländischen Parlamentarierinnen und Parlamentariern zu schätzen.

In einem Klima zunehmenden Misstrauens gegenüber Religionen zeigte das Treffen in Reykjavík auf, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert wird, wenn die Stimmen und Meinungen von religiösen Gemeinschaften angehört und verstanden werden.

Im konkreten Fall, der in Reykjavík diskutiert wurde, konnte dank des Seminars daran erinnert werden, dass Beschneidung seit tausenden von Jahren von religiösen Gemeinschaften aus dem gesamten Glaubensspektrum praktiziert wird. In der jüdischen Tradition verkörpert die Beschneidung den Bund zwischen Gott und den Menschen. Das gleiche gilt auch in großen Teilen der islamischen und in gewissen christlichen Traditionen, beispielsweise in der Eritreischen und Äthiopischen Orthodoxen Kirche. In diesen Gemeinschaften ist die Beschneidung ein integraler Ausdruck des Glaubens und ein Zeichen für Gottes Bund mit der Menschheit.

In ihrer Einführung zum Gesetzesentwurf sagten der isländische Ombudsmann für Kinder, Salvor Nordal und Dr. Olafur Thor Gunnarsson, Abgeordneter des Althing, sie schätzten die Offenheit der Diskussion und sie stimmten damit überein, dass die Vielfalt der Ansichten für die Diskussion in Island wichtig seien. Dr. Gunnarsson sprach von Islands positiver Bilanz hinsichtlich Menschenrechte und sagte, er betrachte diesen Vorschlag als weiteren Schritt in dieser Entwicklung.

Yaron Nadbornik, Präsident des Rates der jüdischen Gemeinden in Finnland, sprach über die Rechtsfälle, in denen Beschneidung von Knaben als positiver Beitrag zur Identität des Kindes betrachtet wurde und deshalb als ein Akt, der erlaubt werden sollte.

Oberrabiner Jair Melchior von Dänemark sagte, dass eine ähnliche Diskussion über das Verbot männlicher Beschneidung die erste reale Bedrohung für die Existenz der dänischen jüdischen Gemeinschaft in ihrer 400-jährigen Geschichte darstelle. Dänemark ist stolz darauf, während der Nazi-Besetzung des Landes die jüdische Bevölkerung beschützt zu haben.

Hauptimam Razawi aus Schottland antwortete auf die Ideen, die von isländischen Politikerinnen und Politikern vorgeschlagen wurden. Er sagte, die Religionen sollten sich nach den Anforderungen der Gesellschaft entwickeln, und er stellte die Frage, wer diese Anforderungen definiere und wie uneingeschränkt solche politisch definierten Kriterien sein sollten.

„Wir müssen den Dialog zwischen unseren unterschiedlichen Ansichten – säkularen und religiösen, fortschrittlichen und traditionellen – fördern, und dabei vermeiden, Ansichten zu polarisieren und einander falsch zu beurteilen. Wir sollten uns die Ganzheit des Menschen in Erinnerung rufen – Geist, Körper und Seele – sowie die globale Beschaffenheit all unserer Entscheidungen, die wir in unseren Situationen und unseren Ländern treffen“, sagte KEK-Generalsekretär Pater Heikki Huttunen in seinem Referat auf der Konferenz.

Mit Bezug auf Artikel 1, 14 und 29 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen fügte Pater Huttunen hinzu: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es ein in der UN-Kinderrechtskonvention anerkanntes Recht ist, zur religiösen Tradition seiner Familie zu gehören und darin erzogen zu werden.“
„Dieses Seminar ist ein Zeichen dafür, dass wir uns gemeinsam für diese Werte einsetzen und dass wir einen Angriff auf irgendeine religiöse Tradition nicht akzeptieren werden, die es für eine gewisse Religion unmöglich machen würde, in Freiheit zu leben. Wir werden auch Absichten nicht zulassen, die letztendlich menschliche Werte wie Leben, Familie und Freiheit verändern werden“, schrieb der Generalsekretär der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Mgr. Duarte da Cunha in seiner Botschaft an die Konferenz.

Die KEK wie auch der CCEE betonten, ein Verbot der Beschneidung in Island hätte zur Folge, dass in diesem Land zwei Weltreligionen, Judaismus und Islam, verboten wären. Dies entspräche einem Verstoß gegen die Religions- und Weltanschauungsfreiheit, eines der grundlegenden Menschenrechte. Die Konferenz in Reykjavík zeigte vielmehr auf, wie wichtig der interreligiöse Dialog für den Schutz gewisser Werte ist, beispielsweise für Werte im Zusammenhang mit dem Leben und der Würde des Menschen.

Nach dem Seminar drückten die Leitenden des CCEE und der KEK ihre Hoffnung aus, dass der Gesetzesentwurf nochmals überdacht werde.

Kontakt für weitere Informationen oder Interview-Anfragen:

Henrik Hansson
Kommunikations-Koordinator der KEK
Tel.: +32 2 234 68 42
E-Mail: hhansson@cec-kek.be
Webseite: www.ceceurope.org
Facebook: www.facebook.com/ceceurope
Twitter: @ceceurope

Thierry Bonaventura
Medienverantwortlicher CCEE
Tel.: +41 71 227 6044
Mobil: +41 79 12 80 189
E-Mail.: bonaventura@ccee.eu
Webseite: www.ccee.eu / http://eurocathinfo.eu
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Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ist eine Gemeinschaft von etwa 116 orthodoxen, protestantischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen aus allen Ländern Europas sowie von 40 nationalen Kirchenräten und Partnerorganisationen. Die KEK wurde 1959 gegründet. Sie hat Büros in Brüssel und Straßburg.

Dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) gehören als Mitglieder derzeit 33 Bischofskonferenzen Europas an, vertreten durch ihre Präsidenten sowie die Erzbischöfe von Luxemburg und des Fürstentums Monaco, der Maroniten auf Zypern, dem Bischof von Chişinău (Moldau), dem Eparchialen Bischof von Mukachevo und dem Apostolischen Administrator von Estland. Präsident ist Kardinal Angelo Bagnasco, Erzbischof von Genua; Vizepräsidenten sind Kardinal Vincent Nichols, Erzbischof von Westminster und Mgr. Stanisław Gądecki, Erzbischof von Poznań; Generalsekretär ist Mgr. Duarte da Cunha. Der Sitz des Sekretariates befindet sich in St. Gallen (Schweiz). www.ccee.eu



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